Transalp, ein Abenteuer

Schon als ich im März mit dem Radeln anfing war mir klar, dieses Jahr müssen die Alpen überquert werden. Und zwar nicht einfach nur nach Österreich, das geht aus München noch ziemlich easy. Das Ziel war Dolce Vita in Italien, also eine komplette Überquerung mit Alpenpass. Schließlich verlangten all die Nicht-Genuss-Fahrten und das Training auf der Rolle nach einem Endziel.

Es gibt natürlich viele Radreise-Anbieter, die die Alpenüberquerung im Rundumsorglos-Paket mit Gepäckservice und 4 Sterne Hotel anbieten (und 4 Sterne, das würde für mich schon ausreichen, da bin ich gar nicht so 😉). Aber als sich Anton dann auch noch anbot, all mein Gepäck auf seinem Rad zu transportieren, saß ich schon vor Komoot und klickte eine eigene Route zusammen. Von allen Möglichkeiten von München nach Italien zu kommen, entschied ich mich für das Timmelsjoch, Österreichs höchstgelegener Grenzübergang. Von Sölden im Ötztal geht es 1000 Höhenmeter auf 23,5 Kilometern bis ins Passeiertal.

Plan war es an Tag 1 eine Nacht in Österreich zu schlafen, an Tag 2 die Überquerung nach Italien zu machen und an Tag 3 dann weiter bis zum Gardasee zu fahren. Um das Ganze für meine doch noch nicht ganz ausgereifte Fitness realistisch zu gestalten, entschieden wir uns in Lenggries zu starten und die ersten Kilometer aus München raus zu überspringen. Dafür wurde dann aus der Transalp ganz schnell eine Italienrundfahrt, da Anton vorschlug das ganze doch bis Bologna zu verlängern. Also wurden noch Tag 4 und 5 an die Tour rangehängt.

Transalp Station 1: Sylvensteinsee
BAAW am Sylvensteinsee: die Startaufstellung.

Transalp Tag 1:

Dann war es soweit. Auf das nötigste beschränkt starteten wir an einem Mittwoch in München. Wir hatten super Wetter und bis nach Leutasch in Österreich lief es wie am Schnürchen. Traumhafte Straßen, wenig Verkehr an diesem Tag, die ersten Höhenmeter gingen erstaunlich gut. Durch das zusätzliche Gewichts-Penalty waren Anton und ich nahezu gleich schnell am Berg (sonst sehe ich ja maximal einen Punkt am Horizont von ihm).  

Transalp Station: Leutasch
Chillen im Leutaschtal.

Doch dann kam dieses Ötztal. Und irgendwie klingt das so nett, Ötztal. Aber da es eben ein Tal ist, führt nur eine einzige Straße durch eben dieses hindurch. Und diese einzige Straße ist dann eben auch sehr sehr stark befahren. Was Komoot als super Route ausgewiesen hatte, entpuppte sich schnell als Verkehrsknotenpunkt. Von daher hieß es bei jeder Gelegenheit auf dem Weg durch das Ötztal von der B186 abfahren, umfahren soweit es geht und einige Gravel-Straßen in Kauf nehmen (Thank Good for 28mm). So erreichten wir dann gegen Abend Umhausen, 20km vor Sölden.

Im Hotel angekommen dann die nächste Hiobsbotschaft: Donnerstag, Timmelsjochtag, Wettervorhersage: Regen. Meinen ersten Alpenpass bei Regen, das hatte ich mir eigentlich nicht so vorgestellt. Vorhergesagt war das unschöne Wetter allerdings erst ab 12 Uhr mittags, daher unsere Idee: Abfahrt 6 Uhr!

Tag 2:

Um 6.30 Uhr verließen wir dann tatsächlich auch unser Hotel, leider war auch hier schon die B186 von Verkehr durchzogen und unsere Fahrt zog sich durch die Umfahrungen in die Länge. Um 07:30 Uhr dann: Regen… So viel zu Wetter-Apps in den Alpen, das ist ein Glücksspiel. Also Regenschutz an und weiter gen Sölden.

In Sölden passierten dann zwei Dinge: Es hörte tatsächlich auf zu regnen UND es wurde ernst. Denn hier kommen die ersten richtigen Steigungen mit bis zu 12% auf dem Weg zur Mautstation am Timmelsjoch. Motiviert bis in die Haarspitzen flog ich diese ersten Stücke aber geradezu hoch (soweit Anfänger halt hochfliegen können).

Action am Timmelsjoch
Actionfoto am Timmelsjoch.

Nach einer kurzen Abfahrt kommt dann die finale Steigung, auch hier ging es nochmal mit knackigen Steigungen nach oben. Aber was für eine Landschaft sich dort bot. Eine absolut idyllische Alpenkulisse, Felshügel wohin das Auge reicht, Kühe, die einem fasziniert beim Radfahren zuschauen und ganz ganz viel frische Luft. Irgendwann war man bei 8% Steigung regelrecht froh, nur noch 8% 🙂. Und schließlich, nachdem mich 2 Gels nochmal mit zusätzlichen Powerboosts versehen hatten, war es geschafft, auf 2509 Metern Höhe war der Grenzübergang nach Italien erreicht. Jahresziel geschafft. Mehr geht nicht.

Timmelsjoch: Transalp fast geschafft
Moment…
Timmelsjoch
…geschafft!

Und dann ging es auch schon hinab nach Italien, dank Handschuhen und zusätzlichen Schichten gut gegen den Fahrtwind verpackt von 2500 hm auf 300 hm. In Meran war es dann auch gleich sonnig, Italien eben, und bei einem Glas Sekt konnten wir uns optimal auf Tag 3 vorbereiten.

Transalp Tag 3:

Etschradweg. Viel gehört, aber keine Vorstellung gehabt, dass man hier wirklich fast ohne Unterbrechungen im Highspeed Richtung Gardasee knallen kann (sofern man die zahlreichen anderen Radfahrer geschickt umfährt und noch Körner zum Knallen über hat).

Etschtalradweg
Etschtalradweg: eine Autobahn.

Dieser Radweg bietet wunderschöne Ausblicke auf die Südtiroler Bergwelt, ist aber auf die Dauer auch etwas langweilig. Daher hieß es für uns in Trento: abbiegen und eine weitere Bergetappe bezwingen.

Körperliche Grenze erreicht.
Körperliche Grenze: erreicht.

Und hier war es denn fast härter als am Timmelsjoch. Mit 32 Grad Außentemperatur (gefühlt mindestens 40) und bis zu 29 Prozent Steigung am Anfang (nur schiebend zu bewältigen) ging es den Monte Bondone hoch. Mit sinkenden Wasservorräten erreichte ich hier ziemlich schnell meine körperlichen Grenzen, das erste Mal auf diesem Trip. Insidertip: Wasservorräte in Italien unbedingt VOR der Siesta auffüllen, zwischen 14 und 16 Uhr haben in kleinen Bergdörfern selbst Supermärkte geschlossen.

Mit einer wunderbaren Abfahrt ging es dann Stunden später endlich gen Gardasee. Und was für Ausblicke wir hatten, die Strecke zwischen Lasino und Pergolese ist sehr zu empfehlen.

Weg nach Arco
Abfahrt Richtung Arco.

In Arco kamen wir wieder auf einen dieser genialen Radwege, kilometerlang gesäumt mit Hibiskussträuchern. Mit Einsetzen des Sonnenuntergangs erreichten wir dann endlich den Gardasee. Direkt am See entlang ging es dann im Schnelltempo die letzten km nach Malcesine. Tag 3 erfolgreich absolviert. Und klassische Transalp done and done. Das Abenteuer ging ja aber noch bis nach Bologna. Davon aber in einem anderen Post mehr.

Gardasee: Transalp Ende
Transalp done. Hello Gardasee.

Etappe 1

Etappe 2

Etappe 3