Zugspitzumrundung Gravel: Tour mit den besten Ausblicken

Der Berg ist die ganze Zeit da. Mal vor dir, mal über dir, mal hinter dir. Die Zugspitzumrundung Gravel führt einmal komplett rum, ganze 100 Kilometer lang. Dabei wechselt der Blick auf den höchsten Berg Deutschlands ständig. Genau deshalb werde ich so oft nach dieser Runde gefragt.

Die Zugspitzumrundung Gravel: 100 Kilometer im Überblick

Start und Ziel ist Garmisch. Praktisch, denn dorthin kommt ihr super mit dem Zug. Rad einladen, aussteigen, losfahren: kein Auto nötig. Von dort geht es einmal rund um die Zugspitze, von Bayern rüber nach Tirol und wieder zurück.

Die Eckdaten sind ehrlich gesagt sportlich. 103 Kilometer, dazu 1.530 Höhenmeter. Komoot stuft die Runde als schwierig ein, und das passt. Der Untergrund ist gemischt: knapp die Hälfte Asphalt, der Rest fester Kies und loser Schotter. Allein gut 21 Kilometer davon sind loser Untergrund. Das zehrt mehr, als die nackte Zahl vermuten lässt. Dabei ist es nie technisch heikel, nur einfach lang und manchmal steil.

Ein Tipp vorweg, der den ganzen Tag angenehmer macht. Fahrt die Runde so, dass ihr bei Ehrwald bergab kommt. Der Anstieg dort ist nämlich richtig steil. Bergab geht er gut, bergauf wird er zur Strafe.

Gaistal und Seebensee: die Ausblicke, für die man kommt

Wenn ich eine Sache aus dieser Runde mitnehme, dann den Seebensee. Er ist der höchste Punkt der Tour, gut 1.660 Meter hoch. Außerdem einer der schönsten Seen, die ich je mit dem Rad erreicht habe. Türkises Wasser, dahinter die Felswände, ringsum Stille. Hier oben bleibt man gern eine ganze Weile.

Der Weg dorthin hat es allerdings in sich. Das letzte Stück wird ruppig, der Untergrund lose. Dafür sitzt ihr danach an einem See, an dem die meisten nur zu Fuß ankommen.

Davor liegt das Gaistal. Ein breites, ruhiges Tal, durch das es sich wunderbar rollen lässt. Wald, Bach, Berge ringsum. Dabei kommt man kaum auf die Idee, dass Garmisch nur ein paar Stunden entfernt liegt. Genau diese Mischung macht die Runde aus: mal weit und sanft, mal steil und alpin.

Und der Berg selbst bleibt fast die ganze Zeit in Sichtweite. Jeder Abschnitt zeigt ihn aus einem anderen Winkel. Bessere Aussichten bekommt man auf dem Gravelbike selten.

Verpflegung unterwegs: nehmt genug mit

Eine Sache solltet ihr nicht unterschätzen. Verlässliche Einkehr gibt es am Berg kaum. Klar, in Garmisch und in den Orten findet ihr etwas. Oben zwischen den Highlights gibt es ein paar vereinzelte Berghütten.

Mein Rat: packt genug ein. Riegel, Brötchen, was euch durch lange Anstiege bringt. Ich hatte unterwegs zwar einen Verpflegungsstopp eingeplant. Am Ende habe ich aber doch nur gegessen, was ich dabei hatte.

Wie hart ist die Runde wirklich?

Ehrlich gesagt: kein Einsteiger-Programm. Die Zugspitzumrundung Gravel verlangt eine solide Grundkondition. 1.530 Höhenmeter klingen erst mal nach nicht so viel. Verteilt auf losen Schotter fühlen sie sich aber deutlich länger an.

Meine reine Fahrzeit lag bei gut 6,5 Stunden. Dazu kommen Pausen, Fotostopps und der eine oder andere Moment, in dem man einfach nur schaut. Plant also lieber großzügig. Ich war insgesamt ca. 8 Stunden unterwegs.

So ein Tag hat seinen eigenen Rhythmus. Erst rollt es leicht, dann kommt der lange Mittelteil, irgendwann die Müdigkeit in den Beinen. Wer das kennt und einteilt, kommt entspannt durch. Wer auf den letzten Drücker startet, eher nicht.

Technisch braucht ihr keine Bikepark-Skills. Etwas Sicherheit auf Schotter und in steileren Abfahrten hilft trotzdem. Ein Gravelbike mit etwas breiteren Reifen ist hier klar im Vorteil.

Für wen ist die Runde gemacht?

Diese Tour ist für alle, die einen langen, schönen Tag im Sattel suchen. Für Gravel-Fans, die Höhenmeter nicht scheuen. Und für alle, die Berge lieber umrunden als sie hochzuschieben.

Die Anreise ist denkbar easy. Mit dem Zug nach Garmisch, Rad raus, los. Am besten fahrt ihr im Sommer. Dann sind die hohen Abschnitte frei und die Tage lang genug für die ganze Runde.

Die komplette Strecke mit allen Daten findet ihr auf Komoot. Wer mehr Touren in der Ecke sucht, wird bei uns fündig. Zum Beispiel in unserer Gravel-Tour von München an den Walchensee oder in den drei Gravel-Touren rund um den Tegernsee. Und wenn es ein größeres Abenteuer sein darf: unser Bikepacking-Trip von München nach Kroatien.

Die Zugspitzumrundung Gravel bleibt für mich aber das perfekte Einzelstück. Ein großer Tag, ein großer Berg, immer wieder dieser Blick.

  • Henri ist Rennradfahrerin, Bikepackerin und Lapierre Ambassadorin auf Xelius, Pulsium und Crosshill. Mehr als 10.000 Kilometer im Jahr bringen sie auf neue Strecken, in unbekannte Landschaften und zu Orten, die man vom Sattel aus anders sieht. Bei You, Me & Cycling schreibt sie über Radtouren, Weekender und Reiseberichte für alle, die das Abenteuer auf dem Rad suchen, ohne Profi sein zu müssen. Auf Instagram findest du sie als @henricyclinginparadise.