Ein Gravel Urlaub Chiemgau muss nicht aus sieben Ausfahrten bestehen. Wir haben eine Woche im Achental verbracht, in einem Holzhaus auf Stelzen. Mit dabei: ein Gravelbike, ein Paar Wanderschuhe und der Vorsatz, mindestens die Hälfte der Zeit nichts zu tun. Insgesamt hat das erstaunlich gut geklappt. Herausgekommen ist eine Woche mit wenig Kilometern und ziemlich vielen Aussichten.
Das Stelzenhaus in Schleching: Basecamp auf Punktfundamenten
Das Stelzenhaus steht in Schleching, gebaut 2018 von Arnhard und Eck Architekten aus München. Es steht tatsächlich auf Stelzen, genauer gesagt auf Punktfundamenten. Dazu graue Fassade, rote Fensterläden und heimisches Holz. Von außen wirkt es kleiner als es ist. Drinnen sind es 90 Quadratmeter, drei Schlafzimmer und zwei Bäder für bis zu sechs Leute.
Der Wohnraum geht nach Süden, dabei mit Kamin und breiten Fensterbänken. Besonders die Fensterbänke waren bei uns dauerbesetzt. Über eine Galerie kommt man nach oben, dort wird gelesen oder gechillt. Außerdem gibt es Fußbodenheizung, WLAN und eine Küche mit Induktion und Spülmaschine. Im Garten stehen Außendusche, Hängematten, Tischtennisplatte und ein Basketballkorb.
Wir waren im August da, und zwar bei richtig Hitze. Trotzdem blieb es im Haus gut auszuhalten. Das Holz und die tiefen Dachüberstände machen offenbar ihren Job. Abends haben wir gekocht und auf dem Balkon gegessen. Dabei schaut man auf Breitenstein, Gscheurer Wand und den Hochgern mit seinen 1.748 Metern.
Praktisch ist außerdem die Anreise. München liegt rund 100 Kilometer entfernt, Prien etwa 24. Wer ohne Auto kommt, steigt in Übersee aus dem Zug.









Gravel Urlaub Chiemgau: die Runden ab der Haustür
Schleching ist offizielles Bergsteigerdorf. Flach ist hier also wenig. Dennoch funktioniert beides ab der Haustür: rollen und kurbeln. So bleibt der Achental-Radweg entlang der Tiroler Achen angenehm eben und führt Richtung Chiemsee.
Wer mehr will, findet im Tal vier ausgeschilderte Gravelrunden. Der Achen-Achter misst gut 40 Kilometer. Deutlich mehr Strecke bringt die große Achentalrunde bis zum Chiemsee, nämlich 55 Kilometer. Vor allem die Kombination macht den Reiz aus. Morgens Schotter am Fluss, mittags Wald, nachmittags Almgelände. Dazu kommt, dass man die Höhenmeter selbst dosieren kann. Wer schon in den Alpen unterwegs war, kennt das Prinzip von der Zugspitzumrundung, nur eine Nummer kleiner.
Unsere Hausrunde durch das Achental
Wir fanden diese kleine Tour, mit rund 40 Kilometern sehr schön. Dabei wechseln sich Flussschotter und Alpenblick ab. Die Tiroler Achen ist streckenweise renaturiert, entsprechend breit und hell liegt das Kiesbett im Tal. Anschließend geht es zurück nach Schleching, ohne dass die Beine hinterher tot sind.
Zum Untergrund: Es ist echter Chiemgau-Schotter, also grob und teilweise lose. Mit 40er Reifen fährt es sich deutlich entspannter als mit 35ern. Dennoch braucht niemand ein Monstergravelbike. Die Forstwege sind gut gepflegt, nur die Almabschnitte fordern etwas mehr Traktion. Außerdem lohnt eine Übersetzung mit ausreichend Reserve nach unten. Denn die Almanstiege sind kurz, aber unangenehm steil.
Einkehr gibt es unterwegs weniger, als man denkt. Im Tal funktionieren Schleching, Unterwössen und Marquartstein. Oben auf den Almen ist im August meist offen, im Randmonat dagegen nicht immer. Deshalb haben wir grundsätzlich Riegel und eine zweite Flasche mitgenommen.
Wandern auf die Hochplatte mit der Hochplattenbahn
Zum Wandern haben wir uns die Hochplatte vorgenommen, 1.587 Meter hoch. Dank der Hochplattenbahn in Marquartstein spart man sich den langen Waldanstieg aus dem Tal. Die Bergstation liegt auf 1.040 Metern, die Bahn fährt täglich von 9 bis 17 Uhr. Ab oben sind es rund 560 Höhenmeter und knapp drei Stunden für etwa sieben Kilometer.
Unterwegs liegen außerdem Staffn-Alm, Hochplattenalm und Piesenhauser Hochalm. Auf der Hochalm gibt es Almkäse, und ja, den haben wir uns natürlich gegönnt. Bei der Augusthitze war die Bahn ganz klar die richtige Entscheidung. Wer trotzdem die kompletten 1.100 Höhenmeter laufen will, startet unten in Marquartstein. Insgesamt sind das gut 14 Kilometer.
Alternativ geht direkt ab Schleching der Geigelstein. Mit 1.808 Metern ist er der zweithöchste Chiemgauer Gipfel auf bayerischem Boden. Außerdem heißt er Blumenberg, weil das Naturschutzgebiet für seine Artenvielfalt bekannt ist.



Fazit zum Gravel Urlaub Chiemgau: weniger Kilometer, mehr Aussicht
Ein Gravel Urlaub Chiemgau funktioniert im Achental besonders gut, weil man nichts weit fahren muss. Die Gravelrunden starten an der Haustür, die Berge ebenfalls. Dazu kommt ein Haus, in dem man es bei 33 Grad tatsächlich aushält.
Für wen taugt das? Vor allem für Leute, die zu zweit oder zu viert unterwegs sind und selbst kochen wollen. Außerdem für alle, die Rad und Berg mischen statt sich zu entscheiden.
