Bikepacking mit Challenge: glutenfrei auf großer Tour

Wenn man schon mal mit leerem Magen den letzten Anstieg des Tages hochgekrochen ist, weißt man: Essen ist beim Bikepacking keine Nebensache. Es ist vor allem Energie, Belohnung und manchmal schlicht Motivation. Und wenn man sich glutenfrei bzw. sogar so wie ich weizenfrei ernähren muss, wird es noch spannender.

Glutenfrei ist nicht unbedingt gleich weizenfrei.

Ich dachte am Anfang selbst: „Glutenfrei steht drauf = safe für mich.“ Aber spätestens nach meinem ersten glutenfreien Brötchen mit Weizenstärke (gibts öfter einmal in Österreich), wusste ich: Ich muss genauer hinschauen.

Glutenfreie Ernährung ist tricky. Weizenfreie Ernährung ist next level, vor allem unterwegs, wenn man keine Zutatenliste googeln oder mit der Verkäuferin lang diskutieren will, warum Weizenstärke für einen selbst eben doch ein No-Go ist.

Je mehr Einschränkungen, desto komplexer wird die Versorgung.

Ich selbst ernähre mich gluten- und weizenfrei, bin aber ansonsten eher Flexitarier. Dementsprechend: Fleisch und Fisch sind okay, wenn Herkunft und Zucht passen. Und ganz ehrlich: Das macht das Leben unterwegs einfacher, speziell in Frankreich.

Denn: Je mehr Einschränkungen zusammenkommen – glutenfrei, vegetarisch, vegan, low FODMAP, etc. – desto mehr Planung und Kreativität braucht man auch.

Ein Beispiel:

  • Als glutenfreier Alles-Esser finde ich in fast jedem Supermarkt etwas (z. B. Dosenfisch, Eier, Käse, Joghurt, Nüsse, Reis, Polenta, Bohnen, Linsen und vor allem immer wieder Kartoffelchips & Bananen)!
  • Vegetarisch und glutenfrei? Geht auch, aber viele Eiweißquellen wie Seitan oder vegetarische Brotaufstriche enthalten Weizen.
  • Vegan und glutenfrei? Möglich, aber dann brauchst du gute Kombis aus Hülsenfrüchten, Nüssen, pflanzlichen Ölen und cleveren Snacks – und musst manchmal Kompromisse beim Geschmack oder bei der Vielfalt machen.

Und bitte nicht schon wieder Reiswaffeln.

Klar, der Klassiker unter den Kommentaren: „Ach, du isst glutenfrei? Dann nimm doch einfach Reiswaffeln mit!“ Ja, mach ich auch. Aber halt nicht drei Tage am Stück – morgens, mittags, abends. Denn wer viel fährt, will nicht nur satt werden, sondern es soll auch schmecken. Essen ist auch unterwegs eben nicht nur Treibstoff sondern ein Stück Lebensqualität.

Wenn jeder Snack gleich schmeckt, sinkt die Laune.

Deshalb versuche ich, unterwegs Variationen reinzubringen: Mal Mais- statt Reiswaffeln. Mal was Warmes wie Polenta oder Buchweizenpfannkuchen (Galette in Frankreich). Mal Dosenfisch, mal Hartkäse, mal ein Apfel oder eine Banane mit Mandelmus. Manchmal ist auch ein kleiner glutenfreier Kuchen aus dem italienischen Supermarkt der wahre Endorphin-Booster nach 90 Kilometern. Bikepacking darf pragmatisch sein aber eben nicht monoton.

Frühstücks-Hacks: Kein Brot, kein Problem

Mein liebstes Frühstück on the road? Mitunter ist das Frühstück das größte Problem weil in den Unterkünften oft nur Brötchen angeboten werden.

  • Haferflocken oder Cornflakes (beides gibt es glutenfrei, wenn aber spuren von Gluten ok sind wie in meinem Fall, dann funktionieren auch konventionelle Produkte)
  • Gekochte Eier, speziell dann wenn es noch gelungen ist am Vortag glutenfreies Brot aufzutreiben
  • Naturjoghurt mit Nüssen, Banane und oft gibt es in Hotels eine Art Fruchtsalat
  • Oder einfach ein glutenfreier Riegel, wenn’s schnell gehen muss.

Je nach Land ändert sich aber, was man bekommt und das macht es auch irgendwie spannend aber auch herausfordernd.

Kulinarische Bikepacking-Highlights aus Europa 

Österreich

Vorsicht, hier heißt meiner Erfahung nach „glutenfrei“ oft „mit Weizenstärke“. Besonders bei fertigem Gebäck oder Brötchen. Unbedingt die Zutatenliste lesen oder nochmal nachfragen. Was gut geht: wie immer Milchprodukte, Bananen, Eier, Nüsse, Kartoffel, und alles, was in Richtung „hausgemacht“ geht. Was ich allerdings noch nie gefunden habe: glutenfreie Panade beim Wiener Schnitzel.

Frankreich

Ich liebe die Galettes aus Buchweizen besonders in der Bretagne. Die sind klassisch glutenfrei (aber trotzdem: immer fragen). Außerdem entdeckt: Buchweizen-Chips! Ein unterschätzter Snack.

Ansonsten: Ziegenkäse, Fischkonserven, Reis, Eier. Die Supermärkte sind eher oldschool, viel Baguette, wenig “glutenfrei” gelabelt – aber man findet mit etwas Kreativität immer was.

Italien

Italien war für mich die größte Überraschung: sehr viele Gasthöfe haben von sich aus eine glutenfreie Pasta-Option. Polenta ist natürlich auch immer verfügbar, zumindest in Norditalien. Im Supermarkt? Glutenfreie Cracker, Pasta, Kuchen, Kekse – in Hülle und Fülle. Tipp: Die Italiener nehmen glutenfrei ernst, die Kennzeichnung ist top.

Mein Fazit: Man brauchst keine Semmel, um satt und glücklich zu sein

Bikepacking ist Freiheit, auch beim Essen. Aber mit einer gluten- und weizenfreien Ernährung musst man einfach ein bisschen genauer planen, offener sein, und manchmal improvisieren.

Ich hatte bisher keinen einzigen Trip, an dem ich hungern musste. Aber auch keinen, an dem ich einfach irgendwas essen konnte. Das ist okay. Wenn man seine eigenen Bedürfnisse kennt, man sich gut vorbereitet und ein bisschen Neugier auf regionale Spezialitäten mitbringt, klappt das wunderbar. Am Ende schmeckt selbst die fünfte Maiswaffel besser wenn sie mit Aussicht auf einen Sonnenuntergang gegessen wird.