Ich bin schon irgendwie Trek-Fan, das hat mehrere Gründe aber IsoSpeed ist ein wichtiger. Mein Domane, an dem ich das System kennengelernt habe, hat IsoSpeed, mein Checkmate ebenfalls. Beim neuen Domane hat Trek das System gestrichen. Ich verstehe die Gründe, in erster Linie sicher das Gewicht. Schade finde ich es trotzdem.

Was IsoSpeed macht
IsoSpeed entkoppelt die Sattelstütze vom Rahmen. Bei einem normalen Rennrad steckt die Stütze im Sitzrohr und ist oben fest geklemmt. Rahmen und Stütze bilden dort einen starren Verbund. Beim IsoSpeed nimmt stattdessen eine Carbonzunge am Knotenpunkt von Ober- und Sitzrohr die Stütze auf. Die Stütze ist also weder im Sitzrohr noch am Oberrohr starr fixiert, sondern steckt in diesem eigenen flexiblen Element.
Das ist keine Federung mit Dämpfer und Federweg, und beim Treten wippt auch nichts. Der Rahmen selbst bleibt steif, nachgeben darf nur die Stütze, und zwar in die Richtung, aus der die Schläge kommen. Man merkt IsoSpeed also nicht als Federweg, sondern daran, dass Kopfsteinpflaster, Wurzeln und Schotter nicht mehr ungefiltert im Rücken ankommen. Nach 300 km macht das einen großen Unterschied.
Kennengelernt habe ich das System am Trek Domane Gen 4, dem Endurance-Rad von Trek. Richtig schätzen gelernt habe ich IsoSpeed auch am Checkmate, dem Gravel-Racer. Freigegeben ist das Checkmate zwar nur für 45 mm, ich fahre dort aber 50 mm. Dafür habe ich am Hinterreifen die äußeren Stollen gekürzt, und im Zusammenspiel mit dem IsoSpeed ist das unglaublich komfortabel und so auch schnell.


Die REV-4-Klemmung
Mit der Klemmung am Domane Gen 4 hatte ich nie Probleme. Dazu gehört aber auch: Ich habe den Mechanismus komplett zerlegt, gefettet und an der Sattelstütze Carbonpaste verwendet. Wer ein Domane gebraucht kauft, dem würde ich das ebenfalls empfehlen. Alles vor der Rev-4 Klemmung würde ich upgraden.

Wo mir IsoSpeed hilft
Auf den langen Tagen. Bei 300 km summieren sich die kleinen Schläge, und genau die nimmt IsoSpeed raus. Und im Gelände: Schotter, Waldwege, alles, wo auch das Domane mit breiten Reifen gut hinkommt.
Das neue Domane
Im August hat Trek die fünfte Generation vorgestellt. IsoSpeed ist raus, stattdessen steckt eine runde 27,2 mm Sattelstütze im Rahmen. Der Rahmen ist laut Trek rund 300 g leichter, und genau darum dürfte es vor allem gehen.
Die runde Stütze hat einen echten Vorteil: Du kannst verbauen, was du willst, zum Beispiel die Blattfederstütze CF Allroad Pro Carbon von Ergon, die meines Erachtens beste Stütze wenn es um Compliance geht. Trek selbst bietet ebenfalls eine runde Stütze mit viel Flex an.
Treks Begründung ist nachvollziehbar. IsoSpeed stammt aus einer Zeit, in der ein breiter Reifen 25 mm hatte. Heute passen 40 mm in den Rahmen, und der Reifen übernimmt einen großen Teil der Arbeit.
| Domane Gen 4 | Domane Gen 5 | |
|---|---|---|
| IsoSpeed | ja | nein |
| Reifenfreiheit | 38 mm offiziell, 40 mm passen problemlos | 40 mm |
| Sattelstütze | Trek KVF Aero Carbon | rund, 27,2 mm |
| Rahmengewicht | laut Trek rund 300 g leichter | |
| Geometrie | Endurance | weitgehend übernommen |
Reifen und IsoSpeed, nicht entweder oder
Nur: Ich fahre am alten Domane schon 40 mm Reifen. Offiziell sind 38 mm freigegeben, aber 40 mm passen problemlos, sogar mit 2fach-Antrieb. Ich habe also beides, den Reifen und IsoSpeed. Für mich war das nie eine Entweder-oder-Frage.
Ein Detail aus Treks eigenem Whitepaper finde ich dabei ganz interessant. Dort liegt das neue Domane beim Komfort innerhalb von 5 % des alten mit IsoSpeed. Getestet wurde allerdings das neue Rad auf 35 mm Reifen gegen das alte auf 32 mm, der breitere Reifen dazu mit 10 % weniger Druck. Mit dem Reifenvorteil kommt das neue Domane also in die Nähe des alten. Das spricht für mich aber eher für IsoSpeed als dagegen.
Was mich wirklich interessieren würde: 40 mm mit IsoSpeed gegen 40 mm ohne. Neuer Rahmen, neue Stütze, gleiche Reifen, gleiche Runde. Vielleicht bin ich danach überzeugt. Falls jemand von Trek mitliest: Ich würde es sehr gerne ausprobieren 🙂
Warum Domane
Unabhängig von IsoSpeed ist das Domane für mich das ideale Rad, und zwar wegen der Geometrie. Sehr hoher Stack, kurzes Oberrohr. Das steht im Kontrast zu fast allen modernen Race-Rennrädern, die lang und tief bauen.
Ich glaube, diese Geometrie würde vielen Rennradfahrern besser passen, als sie denken. Und die gute Nachricht: Trek hat sie beim neuen Domane weitgehend übernommen. Das Wichtigste bleibt also.

Das Fazit
Das Domane bleibt mein Rad, und Trek bleibt meine Marke. IsoSpeed plus 40 mm Reifen ist für mich die bequemste Kombination, die ich am Rennrad kenne, und ich werde sie vermissen, wenn mein Domane irgendwann in Rente geht. Bis dahin fahre ich es weiter.

