Tubeless ist angeblich die Antwort auf alles. Bei mir nicht. Ich weiß, das ist eine unpopuläre Meinung. Trotzdem fahre ich am Gravelbike weiter mit Schlauch, und ich bin damit ziemlich glücklich. Das hier ist kein Labortest, sondern meine Sicht aus der Praxis. Ich bin kein Sportwissenschaftler, eher Hobby-Tester. Nimm es als Erfahrungsbericht, nicht als wissenschaftliche Abhandlung.
Worum es geht: Latex, TPU und Tubeless im direkten Vergleich. Was wiegt was, welcher Druck ist realistisch, und wo hört der Spaß auf.

Warum bei mir kein Tubeless einzieht
Zwei Gründe, beide sehr unromantisch. Erstens das Handling. Dichtmilch in einer kleinen Innenstadtwohnung ist nicht ideal. Wer schon mal am Küchenboden Tubeless-Reifen gewechselt hat, weiß was ich meine. Mir fehlt schlicht die Werkstatt, in der das egal wäre.
Zweitens die Pannen unterwegs. Ich habe zu viele Leute gesehen, die am Trail an einem größeren Loch verzweifelt sind, das die Milch nicht mehr zugemacht hat. Das Ende vom Lied war fast immer: Schlauch rein und weiterfahren. Wenn der Schlauch ohnehin der Notnagel ist, dann fahre ich ihn lieber gleich.
Heißt nicht, dass Tubeless schlecht ist. Es passt nur nicht zu meinem Setup und meinem Nerv.
Latex: schnell, aber am Gavel schwer
Latex ist mein heimlicher Liebling. Geringer Rollwiderstand, sehr gutes Fahrgefühl, über die Jahre kaum Probleme. Am Rennrad mit schmalem Reifen eine klare Sache.
Am Gravelbike kippt das Bild. Der Vittoria Competition in 29 x 1.70/2.30 ist ein toller Schlauch, aber er wiegt richtig. Meine Waage sagt 136 Gramm.


Dazu kommt der bekannte Latex-Nachteil: die Dinger verlieren Luft. Vor jeder Ausfahrt nachpumpen gehört dazu. Am Rennrad ok, am Gravel nervt es mich.
TPU, und warum es ausgerechnet Eclipse wurde
An den Punkt kam ich über das Ventil, nicht über das Gewicht. Ich bin Fan der Schwalbe Clik-Valves. Die brauchen einen herausnehmbaren Ventilkern, weil man den Presta-Kern rausdreht und den Clik-Kern reinsetzt. Viele leichte TPU-Schläuche haben fest verbaute Ventile. Eclipse macht Schläuche mit herausnehmbarem Kern und Metallrohr. Genau das wollte ich.
Die Eclipse Off-Road ist dabei ein spezieller Fall. Etwas schwerer als die ultraleichten TPU-Schläuche, dafür mit deutlich mehr Pannenschutz. Das ist genau der Tradeoff, den ich am Gravel will. Auf dem Karton steht ECOR5050GT, 85 Gramm, 29 x 1.5-2.6 Zoll, 50 mm Ventil. Meine Küchenwaage sagt 90. Die fünf Gramm Differenz kommen vermutlich vom Clik-Ventilkern, den ich statt des Presta-Kerns reingedreht habe. Geschenkt.
Ich fahre sie in Schwalbe-Reifen in 50 mm Breite. Bis jetzt: null Probleme. Wochenlang hält der Druck, kein Platten, kein Theater. Ich fahre etwas höheren Druck als manch anderer, ungefähr 2,1 bar.
Der eine Punkt, an dem Tubeless wirklich gewinnt: der Druck
Ehrlich bleibt ehrlich. Tubeless darf man tatsächlich tiefer fahren. Im selben Reifen läge ich tubeless grob 0,5 bar unter meinen 2,1 bar, also Richtung 1,5 bis 1,6 bar. Der Grund ist simpel: ohne Schlauch gibt es keinen Snakebite, also keinen Durchschlag am Felgenhorn.
Der exakte Wert hängt von Fahrergewicht, Felgenbreite und Untergrund ab. Aber die Richtung stimmt: mehr Grip durch weniger Druck ist der echte Tubeless-Vorteil, den ich nicht wegdiskutiere.
Der Vergleich auf einen Blick
| Latex | TPU (Eclipse Off-Road) | Tubeless | |
|---|---|---|---|
| Gewicht (29 MTB) | schwer (136 g gemessen) | mittel (90 g gemessen) | leicht, aber Ventil, Band und Milch zählen mit |
| Rollwiderstand | top | sehr gut | sehr gut |
| Luftverlust | hoch, oft nachpumpen | gering, hält tagelang | gering |
| Pannenschutz | mittel | hoch (für einen Schlauch) | hoch, kleine Löcher schließen selbst |
| Druck möglich | normal | normal | spürbar tiefer (ca. 0,5 bar) |
| Handling | einfach | einfach | aufwendig (Milch, Setup) |
| Panne unterwegs | Schlauch tauschen | Schlauch tauschen, Patch herstellerabhängig | endet oft beim Schlauch als Notnagel |
Das Fazit
Ich bleibe beim Schlauch, erstmal. Am Gravel fahre ich die Eclipse Off-Road, weil sie leichter als Latex ist, genug Pannenschutz mitbringt und mein Clik-Valve mitmacht. Am Rennrad bleibt Latex.
Heißt das, du sollst Tubeless meiden? Sicher nicht. Wenn du Rennen fährst, jedes Gramm Grip brauchst, oft durch Dornenfelder rollst und eine Werkstatt fürs Milch-Theater hast, dann ist Tubeless die richtige Wahl. Es kommt darauf an.
Für mich, in der Wohnung keine Lust auf Sauerei, als Fan vom Clik-Valve, sind die neuen TPU Schläuche die ehrlichere Antwort.
Noch mehr Technik-Themen findest du im Blog. Und wenn du auf Tubeless schwörst: erzähl mir warum.
