Coros Dura: der Bike Computer, den man nie laden muss. Fast.

Die Akkulaufzeit der Coros Dura ist absurd gut. Mit Sonne auf dem Lenker vergisst man, dass der Computer überhaupt einen Akku hat. Bei der Software ist meiner Meinung nach noch Luft nach oben. Aber der Akku allein ist ein Argument.

Ich wollte keinen neuen Bike Computer.

Mein aktueller Computer ist gut. Wirklich gut. Gutes UI, logische Bedienung, zuverlässig. Ich habe keinen Grund zu wechseln. Aber als die Coros Dura rauskam, hat mich eine Frage neugierig gemacht: Geht da noch was? Hardware wie Software? Kann ein anderes Gerät etwas besser, was meins schon gut kann?

120 Stunden Akkulaufzeit. Plus Solar. Für jemanden, der gerne mal länger unterwegs ist, klingt das nicht nach einem Feature. Das klingt nach Freiheit. Also: testen.

Hand bedient Coros Dura am Lenker

Der Akku. Das Argument.

Fangen wir mit dem an, was der Dura wirklich kann. Coros verspricht 120 Stunden Laufzeit mit einer einzigen Ladung. Dazu ein Solarpanel, das bei direkter Sonne pro Stunde bis zu zwei Stunden Laufzeit nachlädt. Klingt nach Marketing. Ist es aber nicht. Oder zumindest nicht nur.

In der Praxis heißt das: Bei schönem Wetter muss man das Gerät nie laden. Es bleibt einfach am Lenker. Man wacht auf, fährt, das Ding zeichnet auf, man hört auf. Am nächsten Tag dasselbe. Kein Kabel, kein Ladegerät, kein „Mist, vergessen“. Das verändert den Umgang mit dem Computer grundlegend.

Für Ultra-Distanzen und Bikepacking ist das ein echter Game-Changer. Keine Powerbank am Lenker, kein Strommanagement auf der Route. Einfach fahren.

Die Software: Arbeit in Arbeit

Jetzt zum ehrlichen Teil. Die Dura ist das erste Bike-Computer-Produkt von Coros. Und das merkt man irgendwie. Nicht im Sinne von „schlecht“, eher im Sinne von „da geht noch was“.

Das Menü braucht etwas Eingewöhnung. Man scrollt, drückt, landet irgendwo, will zurück, aber der Screen springt auf die Standardansicht, sobald eine Benachrichtigung reinkommt. Das unterbricht den Flow, besonders während der Fahrt, wenn man gerade eine bestimmte Datenseite im Blick hatte.

Die Oberfläche wirkt insgesamt eher funktional als gestaltet. Man sieht, dass hier Ingenieure am Werk waren. Alles ist da, alles funktioniert. Aber es fehlt dieses „Das fühlt sich richtig an“, das man von manch anderem Gerät kennt.

Display und Karten

Die Maps-Grafik könnte besser lesbar sein. Straßen sind wenig kontrastreich dargestellt, die Karte ist im Vergleich etwas grob. Man erkennt die Route, aber Details gehen unter. Und wer bei der Navigation auf Cue-Points setzt, stellt fest: Die Einblendungen nehmen ziemlich viel Platz auf dem Display ein.

Auch die Reaktionszeit der Anzeige könnte schneller sein. Es gibt einen spürbaren Lag beim Wechsel zwischen Screens. Kein Drama, aber man merkt es. Der Touchscreen ist eher zum Tippen gedacht als zum Scrollen. Das Drehrad funktioniert zuverlässiger, besonders mit Handschuhen.

Backlight auf Maximum sorgt allerdings für gute Sichtbarkeit, auch bei hellem Licht. Das passt.

Was richtig gut funktioniert

GPX-Transfer: Routen laden und synchronisieren geht schnell und unkompliziert. Egal ob über die Coros App, Komoot, Ride with GPS oder als direkter GPX-Import. Das ist einer der reibungslosesten Workflows, die ich bei einem Bike Computer erlebt habe.

Alerts: Die Benachrichtigungen während der Fahrt sind klar, gut sichtbar, und sie stören nicht länger als nötig.

Route Sync: Schnell, zuverlässig, keine Wartezeiten. Route in der App auswählen, synchronisieren, losfahren.

Activity Summary: Nach jeder Fahrt gibt es ein Rating und eine übersichtliche Zusammenfassung. Klingt banal, aber es schließt die Session sauber ab. Man sieht sofort, wie viel Akku noch da ist und was das Solar nachgeladen hat.

Always-On Standby: Die Dura ist immer bereit. Knopf drücken, Aktivität starten. Kein Hochfahren, kein Warten. Das Gerät lebt einfach auf dem Lenker. Sehr angenehm.

Splitscreen: nett, aber brauche ich nicht

Coros bietet einen Splitscreen-Modus: oben Karte, unten Daten. Die Idee ist gut, aber auf dem kleinen Display wird es eng. Ich persönlich kombiniere lieber die Fullscreen-Datenseiten mit der Kartenansicht per Scroll. Das gibt mir mehr Übersicht pro Screen.

Climb Pages: da, aber etwas versteckt

Die Dura erkennt Anstiege auf geladenen Routen automatisch. Farbcodiert nach Steigung, mit Distanz und Durchschnittsgrad. Das Feature existiert und funktioniert gut. Aber: Es erscheint nur, wenn man eine Route mit Navigation geladen hat. Ohne Route, keine Climb-Daten. Die Einrichtung findet man über Navigation, dann Route auswählen, dann unter „Climb“. Nicht sofort intuitiv, aber es lohnt sich reinzuschauen.

L/R Power Balance: nachgeliefert

Bei meinem ersten Test fehlte die Anzeige der Links/Rechts-Balance vom Powermeter. Mittlerweile hat Coros das per Firmware-Update nachgeliefert. Die Dura zeigt L/R Balance jetzt an, wenn ein dualseitiger Powermeter verbunden ist. Ob die Daten auch sauber an Drittplattformen weitergegeben werden, muss ich noch genauer prüfen. Was aber auffällt: Coros liefert regelmäßig Updates und das Gerät wird mit jeder Version spürbar besser!

Für wen ist der Dura?

Wer Bikepacking macht, Ultra fährt oder einfach keine Lust hat, ständig seinen Bike Computer zu laden, kommt an der Dura kaum vorbei. Man bekommt einen soliden Computer mit dem besten Akku auf dem Markt. Das ist Fakt.

Wer ein ausgereiftes, bis ins Detail durchgestaltetes Interface erwartet, wird sich etwas umstellen müssen. Die Dura ist ein Werkzeug für Leute, die wenige Dinge brauchen, diese aber zuverlässig. Die Eleganz kommt bestimmt noch, die Basis stimmt schonmal.

Update Mai 2026: Was bleibt nach mehr Zeit im Sattel

Drei Monate weiter. Die Dura läuft. Hardware und Software, beides. Null Fehlermeldungen, kein Sync-Stress, keine Route, die plötzlich nicht aufs Gerät will. Wer schonmal mit einem anderen Computer geflucht hat, weil eine Route nicht syncen wollte, weiß was das wert ist.

Software-Tiefe: Die Coros App hat mittlerweile richtig Funktionsumfang. Fast schon zu viel. Aber die Basics sitzen: Hill-Segments-Vorschau in der Routenplanung, farbcodiert nach Steigung. Auf dem Gerät selbst zeigt der Computer alle Climbs der Route in einer Übersicht. Wie lange noch hoch, wie viel Gesamt-Anstieg liegt noch vor mir. Für lange Touren ist das Gold wert.

Waypoints auf der Karte: Die Dura zeigt Waypoints aus dem GPX-File direkt auf dem Karten-Screen an. Mit Label. Wer Brevets fährt, weiß sofort, warum das Gold wert ist: Die Kontrollpunkte (CPs), an denen man für die eBrevet-App ein Foto machen muss, tauchen als Marker auf der Karte auf. Kein Umschalten in eine andere App, kein Zettel am Lenker. Man sieht den nächsten CP kommen und weiß, wann man anhalten muss. Für Randonneure ein echtes Argument.

Coros Dura Bike Computer zeigt GPX Waypoint Kontrollpunkt (CP) auf der Kartenansicht für Brevet Navigation
Die Coros Dura zeigt Waypoints aus dem GPX-File direkt auf der Karte an, inklusive CP-Labels für Brevet-Kontrollpunkte.

Karten-Screen wechselt automatisch: Sobald ein Anstieg beginnt, springt das Display in eine Climb-Ansicht mit Live-Höhenprofil. Man sieht, wie weit es noch hoch geht und welche Sektionen steiler werden. Klingt nach einem Detail, ist im Berg aber genau das, was man wissen will.

Die untere Leiste, situativ: Auf den Aktivitäts-Screens läuft unten eine kontext-sensitive Bar mit. Bei Turn-by-Turn-Navigation zählt sie von 200 Metern auf null runter bis zur nächsten Abbiegung, plus Straßenname. Beim Verlassen der Route kommt dort die Off-Course-Warnung mit Reroute-Option. Im Split-Screen-Mode bleibt unten Platz für drei frei wählbare Datenfelder. Daneben gibt es eine Drop-down-Statusleiste, die per Tap reinkommt und Akku, Sensoren, Uhrzeit und Temperatur zeigt. Praktisch zum Schnell-Check zwischendurch.

Navigation, vor allem nachts: Besser als gedacht. Das Display ist auch bei wenig Umgebungslicht sehr klar lesbar, der Kontrast passt. Touchscreen-Zoomen und -Pannen funktioniert flüssig, um schnell mal vorauszuschauen, wohin es nach der nächsten Abzweigung geht. Was bleibt: die Karte selbst ist beim Aufbau immer noch langsam. Wenn ich aus der Übersicht in den Karten-Screen wechsle, dauert es einen Moment, bis alles da ist. Kein Drama. Aber der Punkt aus dem Erstbericht ist nicht weg.

Solar: Bleibt der heimliche Star. Bei Sonne reicht ein längerer Tag im Sattel, um den Akkustand am Ende höher zu haben als am Start.

Power Balance, jetzt ehrlich: Die Anzeige auf dem Gerät funktioniert. Aber: die L/R-Balance-Werte landen nicht sauber im FIT-File. In intervals.icu fehlt der Wert, wenn man die Datei ohne Tricks importiert. Ich musste ein Custom-Mapping anlegen, damit die Daten dort überhaupt ankommen und auswertbar werden. Das ist der einzige Punkt, der mich aktuell nervt. Hoffentlich räumt Coros das per Firmware-Update auf.

Sonst: Empfehlung steht. Das Gerät wird mit jedem Update besser, und ich greife morgens reflexhaft danach, ohne über den Ladestand nachzudenken. Das ist das größte Kompliment, das ich einem Bike Computer machen kann.

Mein Fazit

Nach den ersten Wochen mit der Dura war ich ehrlich beeindruckt vom Akku, und nach drei Monaten hat sich daran nichts geändert. Nicht über den Ladestand nachdenken zu müssen, verändert das Verhältnis zum Gerät. Der GPX-Transfer ist top, die Alerts funktionieren, und das Ding ist einfach immer bereit.

An der Software darf Coros gerne noch feilen. Mehr Design-Sensibilität, flüssigere Menüs, bessere Kartenlesbarkeit. Das Potenzial ist da. Der Dura ist gebaut für Ausdauer, im besten Sinn. Er hält ewig. Und er wird mit jedem Update ein Stück besser.

  • Creative Director, Rennradfahrer, Brevet-Fan. Unterwegs auf Trek Domane und Specialized Crux, mehr als 10.000 km im Jahr. Schreibt bei You, Me & Cycling über Equipment, lange Touren und Werkstatt-Themen. Auf Instagram als @antoningomar.